Spontan-Aussteller auf der REHACARE

Make Light | 09.10.2017

Wie ein Sonderpädagoge mit seiner Sammlung 3D-gedruckter Hilfsmittel zum Aussteller auf dem Light Cares-Messestand des Bundesforschungsministeriums wurde.

Ein Mann steht lächelnd hinter einem Tisch auf einem Messestand.
Bild 1: Zwischen dem FabLab Aachen (l.) und e-Nable Deutschland ist noch ein Plätzchen für MakersHelpCare frei. © Makers Help Care

Blogbeitrag von Makers Help Care / Nils Beinke

„Alles aus dem 3D-Drucker“, erkläre ich stolz. Meine kleine Sammlung 3D-gedruckter Hilfsmittel liegt vor mir auf dem Tisch. An meinem gekaperten Stand auf der RehaCare zeigt außerdem der Laptop die Webseite und in meinem hastig bestellten MHC-T-Shirt blende ich mich sauber in den Light Cares-Gemeinschaftsstand ein. Einige Messebesucher kommen vorbei und probieren ganz interessiert die Hilfsmittel aus. „Hier gibt es endlich was für Armgeschädigte“, sagt eine Frau glücklich. Auf MakersHelpCare.de entdeckt sie weitere Stifthalterungen. Dann steckt sie etwa zehn Visitenkarten ein und ich denke zufrieden: „So soll es sein!“

Doch von Anfang an! In der Schule habe ich Sonderurlaub beantragt. Kein großes Problem, da ich am Freitag nur wenige Stunden gebe. Auf der Messe bin ich mit Ingo Bosse von Selfmade verabredet. Als wir noch vor dem Start dieses Blogs telefonierten, war er sehr interessiert an den Hilfsmitteln, die wir in der Schule im Einsatz haben. Daher stelle ich ihm eine kleine Auswahl zusammen und stopfe sie in meine Tasche. Auf einen Trolli habe ich keine Lust.

Am Abend vorher habe ich mir noch schnell ein Zug- und Messeticket im Netzt bestellt, so dass ich jetzt entspannt zum Bahnhof schlendern kann. Leider zeigt sich, dass Sturm Xavier die Bahn noch etwas beschäftigt. In Hamm schaue ich wehmütig meinem Anschlusszug hinterher. In Düsseldorf angekommen ist meine Zeitreserve schon ganz gut geschmolzen und ich bin erleichtert, als ich dann doch einigermaßen pünktlich am Eingang stehe. Schnell noch ein Beweisfoto und ab in die Halle 4.

„Wir sind Open Innovation!“

Aus der Messe-App weiß ich, dass ich die „anderen“ Hilfsmittel-Maker am Stand G03 finde. Nach ein paar suchenden Ehrenrunden um den Gemeinschaftsstand stehe ich ein wenig ratlos da. Wo ist denn der liebe Herr Bosse? Leider erkrankt, wie ich von einem der netten Menschen dort erfahre. Kein Problem, denke ich und lege meine Idee nahe. Schnell kommt man ins Gespräch, die Hilfsmittel werden ausgepackt und ich merke, hier bin ich richtig.

„Sieh mal an, haben wir nicht schon länger gesagt so ein Portal oder Wiki fehlt in Deutschland? Wir waren immer der Meinung das geht hier nicht“, sagt der nette Mann, der sich als Joachim vorgestellt hat. Ich protestiere kleinlaut: „Naja, es ist ja auch eher ein Blog.“ Außerdem nebenberuflich, Lehrer, ja, für Kids mit Behinderung, lässt sich gut kombinieren, genau, Schule hat einen 3D-Drucker, praktisch und so weiter. Kommt gut an, es wird gefachsimpelt und immer mehr Aussteller nehmen Platz um meine ausgebreiteten Hilfsmittel, Jacken, der Taschen und dem Technikkram. Langsam wird’s etwas eng. „Wäre es ok, wenn ich die Sachen dort drüben auf den Tisch stelle?“ Na klar! Wir sind Open Innovation! Jetzt bist du Mitaussteller! Ich bin noch etwas baff. Geht das so einfach? Es geht!

Einen persönlichen Auftrag habe ich aber noch zu erledigen. Ein paar Schritte weiter bei „Made for my Wheelchair“ wollte ich unbedingt ein Rollstuhl-Licht zusammenlöten. Alles ist vor Ort, Isabelle ist so nett und schiebt mir alle Kabel und Werkzeuge rüber, zeigt mir den ungefähren Plan und ich lege los. Mensch, ist das alles fummelig. Keine fünf Meter weiter johlt die Menge dem Exoskelett-Wettlauf zu, was der Konzentration wenig hilft. Unter der Lupe sieht alles schon nicht mehr so winzig aus, also kneife ich ein Auge zu und strecke die Zunge raus.

Mit Mühe schaffe ich es mein erstes Kabel festzulöten. Ich erkenne, dass es mit zwei geöffneten Augen einfacher ist und so langsam bekomme ich den Dreh raus. Endlich alle Kabel dran, doch leider kein Licht. Mist, wahrscheinlich zu unsauber gearbeitet. Aber das Prinzip ist verstanden! Ich beschließe mich damit zuhause noch einmal in Ruhe auseinanderzusetzen und mich meinem frisch ergatterten Stand zu widmen. Trotzdem: Danke Isabelle und Team! Ich bleibe dran, berichte hier im Blog/Portal/Wiki und dann klappt es sicher mit dem Paderborner Workshop!

Mit dem 3D-Drucker einfach ausdrucken

Den genialsten Clou am ganzen Stand habe ich erst später begriffen. Auf der Rückseite waren drei 3D-Drucker aufgebaut. „Ich bin nur zum drucken hier“, sagte der Druckbeauftrage mehrmals, als ich ihn nach dem Projekt "SELFMADE" fragte und später: „Ich drucke hier für die Leute am Stand.“ Ach so! Geistesblitz! Eben interessierte sich eine Frau für die Besteckhalterung, die ich ihr leider nicht mitgeben konnte. „Kannst du ihr das vielleicht drucken?“ Klar, ginge. Dauert nur leider zu lange, da der Messetag schon fortgeschrittener ist. Schade, aber trotzdem eine super Idee, direkt vor Ort drucken zu lassen!

Wenig später mache ich mich auch auf die Socken. „Lass deine Hilfsmittel ruhig hier“, sagt Joachim, „ich schicke sie dir nach.“ Genial, so können meine „Werke“ am heutigen, letzten Messetag noch begutachtet werden. Die Visitenkärtchen liegen auch noch daneben. Vielleicht erreicht der Blog somit noch den einen oder anderen.

Ich bin sehr glücklich über die vielen guten Gespräche und Tipps am Gemeinschaftsstand. Es war wirklich zu spüren, dass der Open-Source Gedanke hier gelebt wird. Selbst ein versetzter Sonderpädagoge aus Paderborn mit ein wenig Plastik im Gepäck ist sofort willkommen. Hier zählt klar die Sache und nicht der Profit, nämlich Menschen mit Behinderungen coole, einfache und für alle offene Hilfsmittel zu vermitteln. Danke für den tollen Messetag, Team Photonik!

Auf einem Küchentisch liegen bunte Plastikteile aus dem 3D-Drucker.
Bild 2: Ein E-Rolli-Hockeyschläger, ein Getränkehalter, ein Kakao-Öffner, ein Poly-Bat-Schläger, ein verstellbarer Getränkehalter und zwei Besteckhalterungen (v.l.) nehme ich mit auf die RehaCare. © Makers Help Care
Eine Frau schaut lächelnd in die Kamera, während sie kleine Drähte zum Löten in der Hand hält.
Bild 3: Isabelle lötet die Kabel schon im vorbeigehen, bei mir hat es beim ersten Versuch nicht ganz geklappt. Ich bleibe aber dran, versprochen! © Makers Help Care
Auf einem Messetisch steht ein 3D-Drucker mit einigen bunten 3D-gedruckten Teilen, dahinter steht ein Mann.
Bild 4: 3D-Druck nach Bedarf. Viele Hilfsmittel hätten hier schon direkt vor Ort für die Messebesucher gedruckt werden können, hätte ich nur mal ein wenig schneller geschaltet! © Makers Help Care