Maker aus der Make-Light-Initiative rettet Grundschule vor Schließung

Make Light | 22.12.2017
Erstellt von Volker Bombien

Projekttag zur digitalen Bildung von Grundschulkindern auf Basis des BMBF geförderten Calliope-Buches, rettet die Grundschule Karlshausen vor der Schließung

Maker Mario Lukas erzählt über seine Schulzeit
Maker Mario Lukas erzählt über seine Schulzeit. Bild: Volker Bombien

Die besten Geschichten schreibt immer noch das Leben. So wie neulich in Karlshausen. Das Städtchen liegt in der Südeifel, nah an der Grenze zu Luxemburg. Die Grundschule von Karlshausen sollte geschlossen und mit anderen Grundschulen in der Region zusammengelegt werden. Für viele Karlshausener Eltern und Grundschüler hätte die Schließung ihrer Grundschule den Alltag auf den Kopf gestellt und zum langfristigen Verlust von Lebensqualität in ihrem Ort geführt.

An dieser Stelle der Geschichte kommt der Maker Mario Lukas ins Spiel. Natürlich war es reiner Zufall, dass ausgerechnet Mario Lukas – mehrfacher Preisträger des Make-Light-Wettbewerbs des Bundesministeriums für Bildung und Forschung – aus Karlshausen kommt und Schüler der besagten Grundschule war. Und ebenso war es sicherlich reiner Zufall, dass er just in diesem Jahr ein Buch zum Calliope, einem Kleincomputer, der speziell für den Einsatz in Schulen konzipiert wurde, gemeinsam mit anderen Makern und Pädagogen geschrieben hatte.

Kein Zufall dagegen war, dass er sofort energisch die Initiative ergriff und Kontakt mit der Schuldirektorin seiner ehemaligen Grundschule, Monika Gierenstein, aufnahm und ihr vorschlug, einen Projekttag durchzuführen, der Besuchern und Gäste eine moderne Pädagogik demonstrieren sollte. Dieser Projekttag sollte zeigen, wie wichtig die Bildungsarbeit gerade im Zukunftsfeld „Digitale Bildung“ ist. Damit sollte ein eindrucksvolles Signal zum Weiterbestehen der Grundschule Karlshausen geleistet werden, der Resonanz in Öffentlichkeit, Bildung und Politik findet.

„Da kam einfach alles zusammen:“ erklärt Mario Lukas heute sein beherztes Handeln, „Ich bin gern in diese Schule gegangen und wollte natürlich, dass sie bleibt. Ich habe mit meinem Projekttag-Vorschlag offene Türen bei der Schulleitung und den Eltern eingerannt, zumal diese Schule zuvor bereits einige Initiativen in der digitalen Bildungsarbeit entwickelt hatte, woran der Projekttag anknüpfen konnte. Darüber hinaus war mir wichtig zu überprüfen, ob sich das Calliope-Buch, an dem ich mitgeschrieben habe, in der praktischen pädagogischen Arbeit mit Kindern bewährt“.

Ein eiligst einberufener Vorbereitungskreis aus Lehrerinnen, Eltern und Mario Lukas machte Nägeln mit Köpfen. Innerhalb weniger Wochen wurde ein ehrgeiziges Programm für den Projekttag konzipiert, das alle wichtigen Fragestellungen der digitalen Bildung für Grundschulkinder berücksichtigte. Der Bau eines bunt leuchtenden Roboters, den die Kinder selbst zusammen löten, sollte spielerisch in die faszinierende Welt der LEDs und ihrer Ansteuerung einführen. In einer aus fünf Stationen bestehende Produktionsstraße sollten Kinder eine Taschenlampe zusammenbauen, um damit die Funktionsweise eines Stromkreises zu begreifen. Und mithilfe des Schulcomputers Calliope sollten Kinder und Eltern die Möglichkeit bekommen, erste eigene Schritte in die Programmierung zu unternehmen.

Als das Programm stand, ging plötzlich alles ganz flott. Politiker aus der Stadt und aus der Region sagten ihr Kommen zu, die Regionalpresse wurde über den Projekttag und den Forderungen nach Erhalt der Grundschule Karlshausen informiert und auch Stephan Noller, der Initiator des Calliope-Projektes versprach seine tatkräftige Mitarbeit an dem Projekttag. Eltern stiegen in die Sache ein, organisierten Kuchenback- und Getränkedienste und aktivierten alle möglichen Informationskanäle, um den Projekttag, der am Sonntag, den 3. Dezember 2018, also dem 1. Advent, stattfinden sollte, publik zu machen. Liebevoll und emsig übten die Schüler Lieder mit Bezug zum Thema „Digitales Leben“ ein. Von Tag zu Tag wuchs die Vorfreude und die Gewissheit aller Beteiligten, dass mit dem erfolgreichen Durchführen des Projekttages ein klares und unmissverständliches Zeichen gesetzt werden könnte, um doch noch den Erhalt der Grundschule zu sichern.

Viele Eltern, die von dem Projekttag erfahren und aufmerksam die Einladung studiert hatten, waren zunächst skeptisch, ob so ein ambitioniertes Programm mit Schülerinnen und Schülern der Klassen 1 bis 4 erfolgreich durchgeführt werden kann. Erinnerungen an den eigene, meist dürftigen Schulunterricht zum Thema digitale Bildung wurden wach, und die Frage tauchte auf, ob all die guten Absichten wirklich mit so einem Schulprojekttag umgesetzt werden können. Aber gleichzeitig war auch klar, dass praktisch jeder an dem Tag dabei sein wollten, um zum Erhalt der Grundschule Karlshausen beizutragen.

Und dann kam alles doch anders…

Als am Sonntag, den 3.12., um 11 Uhr weit über Hundert Menschen die Aula der Grundschule gefüllt hatten, war bereits durchgesickert, was der Schule drei Tage zuvor vom Kultusministerium Rheinlandpfalz schriftlich mitgeteilt worden war: „…zu dem Ergebnis, dass bei 30 Schulen Ausnahmegründe vorliegen, die den Erhalt des Standortes rechtfertigen. Zu diesen 30 Schulen gehört auch Ihre Schule…“ Yeah, die Grundschule Karlshausen bleibt!

Grußworte vom Bezirksbürgermeister, vom Calliope-Initiator und von Mario Lukas hoben die Bedeutung digitaler Bildung gerade für jungen Menschen hervor, um ihnen ein Leben zu ermöglichen, in dem sie die Technik beherrschen und nicht von ihr beherrscht werden. Ungeduldig warteten die Kinder aber darauf, um sich endlich in das Programm zu stürzen, das für sie bestimmt war.

Viele Eltern kamen aus dem Staunen nicht mehr raus, als sie ihren Kindern dabei über die Schulter gucken und miterleben durften, wie neugierig und offen die meisten Kinder ans Löten, LED ansteuern oder Programmieren herangehen. Kinder verstehen Zusammenhänge häufig intuitiv, die begleitenden Pädagogen müssen oft nur begleitende Hilfestellungen geben. Viele Kinder brauchten keine zwei Minuten, um zu verstehen, wie sie ihren Namen auf das Display des Calliope-Computers programmieren können. Und nicht wenige Eltern ließen sich dann anschließend von ihren Kindern erklären, wie das denn eigentlich geht… Eltern, die eigentlich nur vorgehabt hatten, ihre Kinder zur Schule zum Projekttag zu bringen, um dann anschließend weiter zu einem Weihnachtsmarkt in der Nähe zu pilgern, blieben unerwartet lang da; auch sie hatte die Neugierde und der Wissensdurst erfasst, mehr von der digitalen Welt zu erfahren.

Und damit ist auch bereits der Verlauf des nächsten Projekttages bestimmt, der im nächsten Jahr stattfinden soll: Die Schülerinnen und Schüler sollen dann ihre Eltern und vielleicht auch Großeltern selbst in das Programmieren und in das Steuern von Lichtelementen einführen.

Zu ambitioniert, finden Sie? Warten Sie es ab…

Kinder verstehen schnell den Umgang mit Calliope
Kinder verstehen schnell den Umgang mit Calliope. Bild: Volker Bombien