Fühlend sehen

Zukunftsweisende Photonik: Bundesforschungsministerin Johanna Wanka besucht auf der Hannover Messe das Personal Photonics-Projekt und den InnoTruck mit vier Photonik-Projekten.
Frau mit breitem Gürtel um die Hüfte. In der linken Bildhälfte unterhalten sich ein Mann und eine Frau über den Gürtel.

Jan Thar (ganz links) erklärt Bundesministerin Wanka, wie der Gürtel funktioniert: Eine Kamera erkennt die Umgebung und projiziert sie mit Hilfe von vielen kleinen Motoren als Vibrationsmuster auf den Körper. Bild: VDI Technologiezentrum, Fotograf: Leo Seidel

25.04.17

VDI Technologiezentrum

Was wäre, wenn blinde und sehbeeinträchtigte Menschen ihre Umgebung auf ihrem Körper fühlen könnten? Das mag zuerst wie Science Fiction klingen, wird aber in dem vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt „Personal Photonics“ gerade erforscht und entwickelt. Auf der Hannover Messe 2017 hat Bundesforschungsministerin Johanna Wanka am BMBF-Stand das Projekt besucht. Jan Thar und Sophy Stönner vom FabLab Aachen an der RWTH Aachen zeigten der Ministerin einen Gürtel, der mit Hilfe von Vibration die Umgebung auf dem Körper „sichtbar“ macht.

In dem breiten Gürtel, der um den Bauch getragen wird, sind eine Kamera und eine Matrix aus vielen kleinen Vibrationsmotoren eingebaut. Jeder Motor bildet dabei einen Pixel ab, dessen Vibrationsintensität dem Abstand zu einem Objekt entspricht. Je näher ein Objekt, desto stärker vibrieren die Motoren. Mit der Weste können Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen ihre Umgebung besser einschätzen, indem die von der Kamera aufgenommene Umgebung auf dem Körper als Vibrationsmuster abgebildet wird. Das Bundesforschungsministerium unterstützt das Projekt im Rahmen der Initiative „Open Photonik“ bis Ende Mai 2019 mit rund 1,1 Millionen Euro.

Photonik im InnoTruck

Am gleichen Tag eröffnete die Bundesforschungsministerin auf der Hannover Messe den InnoTruck. Der große schwarze Doppeldecker reist ab sofort als „Innovations-Botschafter“ mit Exponaten zum Anfassen zu neuen Technologien und deren Berufsbildern durch Deutschland. Mit an Bord des Ausstellungsfahrzeugs sind auch vier zukunftsweisende Photonik-Projekte, die das Bundesforschungsministerium fördert und die einen spannenden Einblick in die enorme thematische Bandbreite der Technologien rund ums Licht geben: die Projekte μ-AFS, senseBox, OpticalCI und TOP.

  • In dem Projekt μ-AFS entwickelt ein Verbund aus fünf Unternehmen und einem Institut einen intelligenten Hightech-LED-Scheinwerfer mit über 3.000 einzeln ansteuerbaren Lichtpixeln. Dadurch lässt sich das Scheinwerferlicht sehr genau an die jeweilige Verkehrssituation anpassen, so dass immer optimale Lichtverhältnisse herrschen, ohne andere Verkehrsteilnehmer zu blenden. Dabei analysieren Sensoren im Fahrzeug das Umfeld und steuern die Pixel entsprechend an.
  • Die senseBox ist eine kompakte und mobile Umwelt- und Wetterstation zum Selberbauen, mit der jeder zum Wissenschaftler werden kann. Sie besteht aus einem Mikrocontroller und einigen kleinen Sensoren, mit denen man Daten wie Luftdruck, Temperatur oder UV-Strahlung erfassen kann. Die Daten werden automatisch in eine Internetkarte eingetragen und sind für jedermann sichtbar. Das Entwicklerteam am Institut für Geoinformatik der Universität Münster hat erst kürzlich für die senseBox den CeBIT Innovation Award 2017 erhalten.
  • Das Projekt OpticalCI erforscht ganz besondere Hörimplantate der nächsten Generation. Dabei handelt es sich um ein optogenetisches Implantat, das mit hundert miniaturisierten LEDs die Nervenzellen des Innenohrs optisch stimuliert. Die einzeln ansteuerbaren Lichtquellen sitzen auf einem kleinen, hochflexiblen Band von 20 Millimetern Läge und einem halben Millimeter Breite, das in die Hörschnecke eingeführt wird. Über die Anregung der Nervenzellen mit Licht kann die Klangqualität im Vergleich zu herkömmlichen Implantaten drastisch verbessert werden.
  • Das Projekt TOP entwickelt eine transparente, dünne Folie zur Energiegewinnung an Häuserfassaden. Die Folien sind Solarzellen aus organischen Materialien, die hauchdünn auf große Flächen aufgetragen werden können und halb durchsichtig sich. Diese sogenannten OPV-Folien lassen sich direkt in Glasscheiben integrieren.

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