Leibniz-Preis 2015 für Hörforschung und optogenetische Ansätze

Prof. Dr. Tobias Moser erhält den mit 2,5 Mio. Euro dotierten Förderpreis für seine maßgebenden Arbeiten, mit denen er zu einem besseren Verständnis synaptischer Prozesse im Innenohr beigetragen hat.

Bild 1 „Lichthören“: Röntgen-tomographisches 3D Modell der Cochlea einer Maus mit eingebrachtem optischem Multikanal-Cochlea-Implantat (rot). Bild: Daniel Keppeler, Tim Salditt, Tobias Moser, InnenOhrLabor, Uni Göttingen

Bild 2 „Lichthören“: Spitze der Sonde mit 120 LEDs (links) und Größenvergleich mit einer Fingerkuppe (rechts). Bild: Fraunhofer IAF, Freiburg

16.12.14

DFG – Deutsche Forschungsgemeinschaft /
BMBF-Projekt „Lichthören“

Prof. Dr. Tobias Moser von der Universität Göttingen (Auditorische Sensorik/Hals-Nasen-Ohrenheilkunde) ist einer der Preisträger des renommierten Leibniz-Preis 2015. Das gab die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) letzte Woche in Bonn bekannt. Moser erhält den Preis für seine neuen konzeptionellen wie technischen und experimentellen Ansätze, die zu einem erheblich besseren Verständnis synaptischer Prozesse im Innenohr und damit zu der Grundlage des Hörens beitragen.

Moser ist einer von insgesamt acht Wissenschaftlern, die aus 136 Vorschlägen ausgewählt wurden. Der mit jeweils 2,5 Millionen Euro dotierte Preis wird am 3. März 2015 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin verliehen.

Mosers Hauptinteresse gilt den Haarsinneszellen im Innenohr, deren Verlust jeder Mensch ab einem gewissen Alter erleidet und der zu erheblichen Einschränkungen in der Kommunikation mit Mitmenschen führen kann. Besondere Bedeutung haben seine Arbeiten zur Synapse der inneren Haarsinneszellen, der „Ribbon-Synpase".

Diese ist, wie Moser entschlüsseln konnte, für die synchrone Aktivität der Hörnerven verantwortlich und damit die Grundlage für die Wahrnehmung der Tonhöhen und für die Schalllokalisation. Auf diese Weise konnte Moser zeigen, wie es möglich ist, mit Milli- und teilweise Mikrosekunden-Genauigkeit akustische in bioelektrische Signale umzusetzen.

Auf translationalem (zwischen präklinischer Forschung und klinischer Entwicklung) und klinischem Gebiet nutzte Moser schließlich die Optogenetik für Licht-Stimulationen im Innenohr als Alternative zur derzeit gebräuchlichen elektrischen Anregung durch Cochlea-Implantate, der eine große Zukunft prognostiziert wird.

Die biomedizinischen Herausforderungen für ein optisches Cochlea-Implantat liegen darin, Kanal-Rhodopsine in die Nervenzellen der Cochlea einzubauen und nachzuweisen, dass mit einem Lichtimpuls eine frequenzspezifische Hörwahrnehmung generiert werden kann. Die technologische Herausforderung liegt in der gezielten Anregung der aktivierten Zellen über ein optisches Implantat.

Zu diesem Forschungsaspekt war Moser auch an dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Verbundprojekt „Lichthören“ beteiligt. Von Anfang März 2012 bis Ende Februar 2014 wurden in dem Projekt Hörimplantate auf Basis von LEDs erforscht, welche aus nur wenigen Mikrometern dünnen Streifen mit mehr als hundert Mikro-LEDs (µLEDs) bestehen und eine menschliche Cochlea passen. Kontaktierung und Ansteuerung der Streifen auf einem biokompatiblen Substrat waren hier weitere Herausforderungen.
Das Lichthören-Projekt wurde am Fraunhofer IAF in Freiburg unter Prof. Dr. Ulrich T. Schwarz durchgeführt.

Erste Tests der nur 50 µm breiten „Lichterkette“ an einer Maus-Cochlea wurden bei Professor Moser im InnenOhrLabor der Universitätsmedizin Göttingen durchgeführt, welches innerhalb des Bernstein Fokus Neurotechnologie vom BMBF gefördert wird.

Prof. Dr. Tobias Moser

Geboren 1968, studierte Tobias Moser Medizin in Leipzig und wurde mit einer im Göttinger Labor des Leibniz- und Nobelpreisträgers Erwin Neher angefertigten Arbeit promoviert. In Nehers Abteilung am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie blieb er auch danach als Postdoktorand und Nachwuchsgruppenleiter.

Parallel dazu begann er eine Facharztausbildung an der Universität Göttingen, an deren Universitätsklinikum er seit 2001 eine eigene Arbeitsgruppe, das „Inner Ear Lab" leitet. Nach der Habilitation in der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde 2003 wurde er 2005 zum Professor ernannt und hat seit 2007 einen eigenen Lehrstuhl inne.

Nachdem er mehrere Rufe aus Deutschland und den USA abgelehnt hat, baut Moser aktuell in Göttingen ein neues Institut für Auditorische Neurowissenschaften auf. Ebenso ist er Sprecher des seit 2011 geförderten Göttinger Sonderforschungsbereichs (SFB) „Zelluläre Mechanismen Sensorischer Verarbeitung".

Der Leibniz-Preis

Der mit bis zu 2,5 Millionen Euro dotierte Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis (kurz „Leibniz-Preis genannt) ist der wichtigste Forschungsförderpreis in Deutschland. Ziel des Leibniz-Programms, das 1985 eingerichtet wurde, ist es, die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verbessern, ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern, sie von administrativem Arbeitsaufwand zu entlasten und ihnen die Beschäftigung besonders qualifizierter jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu erleichtern.

Die ersten Leibniz-Preise wurden im April 1986 verliehen. Sieben Leibniz-Preisträger haben nach der Auszeichnung mit dem wichtigsten Forschungsförderpreis in Deutschland auch den Nobelpreis erhalten: 1988 Professor Dr. Hartmut Michel (Chemie), 1991 Professor Dr. Erwin Neher und Professor Dr. Bert Sakmann (beide Medizin), 1995 Professor Dr. Christiane Nüsslein-Volhard (Medizin), 2005 Professor Dr. Theodor W. Hänsch (Physik), 2007 Professor Dr. Gerhard Ertl (Chemie) und in diesem Jahr Professor Dr. Stefan W. Hell (Chemie).

Weitere Informationen

DFG-Pressemeldung vom 10. Dezember 2014
Lichthören-Pressemeldung vom 12. Mai 2014

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