Plasma in der Zahnmedizin

BMBF-Verbundprojekt PlasmaDent untersucht Nebenwirkungsrisiko bei der dentalen Anwendung von Atmosphärendruckplasma.

Explantat mit dichtem Biofilmwachstum auf der kompletten Oberfläche © Universitätsmedizin Greifswald

22.05.14

BMBF-Verbundprojekt PlasmaDent / Universitätsmedizin Greifswald

Implantate sind heute sprichwörtlich in aller Munde und bieten bei Zahnverlust eine der besten Versorgungsmöglichkeiten. Mit der steigenden Anzahl an Implantaten im Bereich der Zahnmedizin steigt auch die Anzahl der Komplikationen, wie zum Beispiel der Periimplantitis. Bedingt durch bakterielle Ablagerungen an der Implantatoberfläche entstehen periimplantäre Entzündungen, wodurch es zum Knochenabbau am Implantat kommt, was unbehandelt den Verlust des Implantats zur Folge haben kann.

Eine erste vielversprechende Therapiealternative könnte die Plasmatechnologie liefern. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt „PlasmaDent“, welches das kurz- und langzeitige Nebenwirkungspotential der Plasmabehandlung in vivo untersucht, stellt eine Grundvoraussetzung für die weitere Anwendung in der Klinik dar.

Mit dem Begriff Plasma assoziiert man in der Medizin häufig zunächst das geläufigere Blutplasma. Hingegen physikalisches Plasma, das auch als vierter Aggregatzustand bezeichnet wird, ist weniger bekannt. Es handelt sich dabei um ein elektrisch neutrales, ionisiertes Gas bestehend aus Ionen, Elektronen, neutralen Teilchen, sichtbarer UV/VUV-Strahlung und chemisch reaktionsfreudigen, neutralen Molekülen.

In der Zahnmedizin sind viele Erkrankungen mit Bakterien assoziiert, die wiederum in Biofilmen organisiert und damit vor äußeren Einflüssen, wie Medikamenten oder anderen Behandlungsformen geschützt sind. Die gute antimikrobielle Wirkung von Plasma auf dentale Biofilme konnte bereits mehrfach demonstriert werden. Damit eröffnet Plasma neue innovative Möglichkeiten z.B. bei der Behandlung von Karies, Parodontitis oder bisher nur sehr schwer bis nicht therapierbarer Erkrankungen, wie der Periimplantitis.

Bislang ist das Nebenwirkungspotential jedoch nicht ausreichend untersucht, entsprechende Langzeituntersuchungen fehlen. Die verschiedenen Wirkkomponenten des Plasmas – UV, Radikale, Ozon, Temperatur, elektrische Spannung – könnten beispielsweise auf der  Mundschleimhaut, je nach Dosis auch potentiell unerwünschte Wirkungen aufweisen und müssen daher vor der Anwendung am Patienten hinsichtlich ihres Nebenwirkungsprofils untersucht werden.

In 24 Monaten der Projektlaufzeit möchten die Projektpartner insbesondere folgende Fragen klären:

  • Ausschluss eines kanzerogenen Potentials
  • Ausschluss einer mutagenen Wirkung
  • Untersuchung von kurzzeitigen Einmalanwendungen
  • Erforschung von Mehrfachanwendungen
  • Wirkung auf die Mundschleimhaut

Die in dem Projekt gewonnenen Ergebnisse sollen nicht nur richtungweisend im Bereich der Zahnmedizin sein, sondern werden auch neues Wissen zur Plasmaanwendung als Theapieoption für die Medizin liefern.

Der Verbundname PlasmaDent steht für „Plasma in der Zahnmedizin“. Das Verbundprojekt wird im Rahmen der Initiative „Optische Technologien: Wissenschaftliche Vorprojekte“ vom BMBF mit rund 300.000 Euro gefördert.

Zu den Projektpartnern gehören neben der Universitätsmedizin Greifswald mit dem Zentrum für Zahn-, Mund und Kieferheilkunde und dem Institut für Pathologie Greifswald, das Leibnitz Institut für Plasmaforschung und Technologie Greifswald (INP Greifswald e.V.), das Universitätsklinikum des Saarlandes und das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie Leipzig (IZI). Anfang Oktober 2013 gestartet wird das PlasmaDent-Projekt voraussichtlich Ende September 2015 abgeschlossen.

Weitere Informationen

Download Steckbrief BMBF-Projekt PlasmaDent (PDF)

Ansprechpartner

Prof. Dr. med. dent. Thomas Kocher
Universitätsmedizin Greifswald
Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde; Poliklinik für Zahnerhaltung, Parodontologie, Endodontologie, Präventive Zahnmedizin und Kinderzahnheilkunde
Abteilung Parodontologie
Rotgerberstraße 8
17475 Greifswald

Tel.: 03834-867172
kocher@uni-greifswald.de 

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